Auch in Zeiten größten Terrors und Todesangst hatten junge Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus Sorgen, Ängste und auch Hoffnungen wie sie Jugendliche heute haben. Bei einer szenischen Lesung von „Der papierene Freund“ konnten sich die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Villa-Elisabeth in diese Gefühlswelt einfühlen. So wurde deutlich, dass diese jungen Opfer systematischer Verfolgung und Vernichtung Menschen mit Gefühlen waren, die sich nicht von denen Jugendlicher heutzutage unterscheiden.
Am 27.02.2026 organisierte das Bündnis Demokratie Dahme-Spree in der Gesamtschule Villa Elisabeth in Eichwalde eine Szenische Lesung aus Holocaust-Tagebüchern jüdischer Kinder und Jugendlicher. Die Lesung fand in zwei Durchgängen mit je knapp 20 Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs statt. Ein Gespräch schloss die jeweiligen 90 minütigen Veranstaltungen ab.
Die zwei jungen Mädchen und die zwei Jungen, aus deren Tagebüchern vorgelesen wurde, waren jeweils 13 und 17 Jahre alt. Sie lebten in Ghettos oder Verstecken unter nationalsozialistischer Herrschaft. Sie beschrieben die tödliche Bedrohung durch Hunger und Zwangsarbeit, Erschießungen und Deportationen in Todeslagern. Sie erwarteten ihre Ermordung und sie hofften auf Rettung. Sie beeindrucken durch ihre Beobachtungen und Reflexionen und durch den Lebenswillen, den Mut und die Tatkraft, die sie trotz ihrer verzweifelten Lage aufbrachten. Neben diesen Aspekten zeigen die Tagebücher aber auch, dass die Jugendlichen ganz normale Wünsche und Bedürfnisse hatten, wie jeder Teenager. Den Titel Der papierene Freund ersann einer der Tagebuchschreiber als Ersatz für seine verlorenen lebenden Freunde.
In den abschließenden Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern wurde noch einmal deutlich, wie wichtig den jungen Jüdinnen und Juden ihre Tagebücher waren in dem Wunsch über diese Tagebücher hinaus zu überleben. Sie sollten – sozusagen als ein schriftliches Denkmal – unbedingt gefunden und gelesen werden; sogar von Deutschen. Die meisten Tagebücher wurden zufällig gefunden. Wahrscheinlich gab es noch viele mehr, die verschollen sind.
Alles in allem eine sehr beeindruckende und zum Nachdenken anregende Veranstaltung.
Demokratie Dahme-Spree dankt der Dozentin/Mentorin Schauspiel Frau Prof. Iris Böhm von der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, die die zwei weiblichen und zwei männlichen Protagonist/innen mit ihren jeweiligen Rollen vorstellte. Auch dem Historiker und Herausgeber der Tagebücher Dr. Wolf Kaiser danken wir für seine kurze Einführung in das Thema und die Moderation des Gesprächs.
